Newsletter Anmeldung
slider

Interview mit Suzanne von Blumenthal – Vorstand der IGPSE

In diesem Interview spricht Dr. med. Suzanne von Blumenthal über ihren Werdegang – von den frühen Jahren als Medizinstudentin bis zur erfahrenen Psychiaterin. Dabei berichtet sie auch, wie sie zur Psychosomatischen Energetik (PSE) gefunden hat und welche Rolle die PSE heute in ihrer Praxis spielt.

Anmerkung: Zur besseren Orientierung haben wir nachträglich Zwischenüberschriften in die Antworten von Frau Suzanne von Blumenthal eingefügt.

Dr. med. Suzanne von Blumenthal

Wie sind Sie zur Medizin gekommen? Wann wussten Sie, dass Sie Ärztin werden wollen?

Der Wunsch, Medizin zu studieren, war bei mir schon sehr früh da. Ich erinnere mich genau, dass ich in der zweiten Klasse, also mit etwa acht Jahren, den Entschluss gefasst habe, Ärztin zu werden. Meine Familie hatte keinerlei Bezug zur Medizin. Mein Vater war Textilingenieur, meine Mutter Damenschneiderin. Dennoch war dieser Berufswunsch in mir tief verankert.

Vielleicht spielte es eine Rolle, dass der Vater meiner besten Freundin Mediziner war. Aber ich glaube nicht, dass das ausschlaggebend war. Es war einfach meine eigene innere Überzeugung. Als logische Konsequenz besuchte ich das Gymnasium, um den Grundstein für ein Medizinstudium zu legen.

Herausforderungen beim Studienbeginn

Meine Eltern zogen in die Schweiz, und als Ausländerin war der Zugang zum Medizinstudium dort nicht einfach. Es gab bereits damals strenge Zulassungsbeschränkungen für ausländische Studenten. Dennoch entschied ich mich dafür. Nach einem Praktikum im Krankenhaus, bei dem ich erste Erfahrungen in der Pflege sammeln konnte, war ich mir sicher, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen hatte.

Ich bekam einen Studienplatz an der Universität Bern, musste das Studium jedoch in Fribourg beginnen, da Bern nicht sofort Kapazitäten hatte. Fribourg liegt an der Grenze zur Westschweiz, und dort wurde der Unterricht zweisprachig auf Deutsch und Französisch gehalten. Obwohl ich anfangs nur wenig Französisch sprach, nahm ich die Herausforderung an.

Die ersten Jahre des Studiums waren anspruchsvoll. Es gab zwar keinen Numerus Clausus, doch die Prüfungen waren extrem hart. Nur rund 40 % der Studenten bestanden. Ich hatte mir bereits eine Alternative überlegt: Falls es mit Medizin nicht klappen sollte, hätte ich mich für Physik entschieden, ein Fach, das mich immer interessiert hatte. Glücklicherweise bestand ich alle Prüfungen auf Anhieb und konnte nach zwei Jahren ins klinische Studium nach Bern wechseln.

Von der Gynäkologie zur Psychiatrie

Ursprünglich wollte ich mich auf Gynäkologie spezialisieren. Meine Dissertation behandelte die Früherkennung von Brustkrebs, ein damals innovatives Forschungsfeld. Ich untersuchte Kriterien zur Diagnose von Brustkrebs im frühen Stadium, und viele der damals entwickelten Methoden sind heute noch Standard.

Nach meinem Studienabschluss 1986 begann die schwierige Suche nach einer Assistenzarztstelle. Als Ausländerin waren die Stellen in der Gynäkologie begrenzt, vor allem ohne chirurgische Erfahrung. Es gab kaum Möglichkeiten, in diesem Bereich Fuss zu fassen. Die einzige freie Stelle, die ich fand, war in der Psychiatrie – einem Fach, von dem ich ursprünglich dachte: „Das mache ich nie!“

Ich nahm die Stelle dennoch an, in der Annahme, dass ein Jahr Psychiatrie mir nicht schaden würde. Gerade für die Beratung von Frauen mit Hormonstörungen oder Kinderwunsch könnte es von Vorteil sein, psychologische Kenntnisse zu haben. Doch während dieser Zeit entdeckte ich, dass die Psychiatrie viel mehr zu bieten hatte als erwartet. Die Klinik, in der ich arbeitete, war systemisch ausgerichtet, sehr offen und praxisnah. Ich merkte, dass ich mit den Patienten gut arbeiten konnte und etwas bewirken konnte.

Zugleich war mir bewusst, dass die Gynäkologie mit einer extrem hohen Arbeitsbelastung verbunden war. Gerade für Frauen war es damals nicht leicht, die erforderliche Anzahl an Operationen zu absolvieren. Die Arbeitswochen betrugen oft 60 bis 80 Stunden, und ich fragte mich, ob ich mir das langfristig vorstellen konnte.

Nach zwei Jahren Psychiatrie entschied ich mich für ein weiteres Jahr in der Neurochirurgie in Zürich, um mein Wissen im neurologischen Bereich zu vertiefen. Obwohl ich dort nicht operierte, lernte ich viel über das Gehirn, neurologische Erkrankungen und deren Behandlung. Schliesslich blieb ich doch in der Psychiatrie, da sie mir vielseitigere berufliche Möglichkeiten bot.

Der Aufstieg zur Chefärztin

Dr. med. Suzanne von Blumenthal
©Dr. med. Suzanne von Blumenthal

Nach weiteren Stationen und der Facharztprüfung wurde ich mit 31 Jahren zur Oberärztin ernannt. 1994 machte ich mich dann selbstständig. Kurz darauf bat mich meine frühere Klinik, als Interimsleiterin zurückzukommen, da es dort Probleme mit einem neuen Chefarzt gab. Das nahm ich an – trotz der Herausforderung, dass ich inzwischen Mutter geworden war.

Die Klinik befand sich in einer Umbruchphase: Ein grosses Sanierungsprojekt im Wert von 60 Millionen Franken stand an, um die alten Strukturen in eine moderne, offene Psychiatrie zu überführen. Dieses Projekt faszinierte mich so sehr, dass ich mich schliesslich auf die offiziell ausgeschriebene Stelle der Chefärztin bewarb.

Nach einem strengen Auswahlverfahren wurde ich 1995 zur ersten Chefärztin in Graubünden ernannt – eine echte Pionierleistung. Ich organisierte meine Arbeitszeit so, dass ich weiterhin Zeit für meine Familie hatte: 80 % meiner Arbeitszeit verbrachte ich in der Klinik, zwei Nachmittage pro Woche gehörten meinen Kindern.

Verbindung zur Naturheilkunde und die Entdeckung der PSE

Nach Abschluss der Kliniksanierung im Jahr 2008 begann eine neue Phase. Die Klinik wurde in eine unselbstständige rechtliche Organisation mit Verwaltungsrat umgewandelt, und ich erhielt den Auftrag, eine Privatklinik aufzubauen. Ich wollte jedoch nicht einfach eine weitere Stress- oder Burnout-Klinik schaffen, sondern einen integrativen Ansatz verfolgen.

Schon lange hatte ich Interesse an Naturheilverfahren, insbesondere Homöopathie und Phytotherapie. In der Klinik hatten wir bereits pflanzliche Arzneimittel eingeführt, darunter Ceres-Tinkturen. Eine Kollegin brachte mich dann auf die Psychosomatische Energetik, und ich erkannte ihr Potenzial für die Psychiatrie.

2010 eröffnete ich die Privatklinik mit einem breiten therapeutischen Angebot: Physiotherapie, Craniosacraltherapie, PSE und Traditionelle Chinesische Medizin. Das Konzept funktionierte hervorragend, insbesondere bei Depressionen und Angststörungen.

Wie setzen Sie die PSE in Ihrer psychiatrischen Praxis ein?

Ich verwende die PSE in etwa 80 % meiner Behandlungen. In meiner ambulanten psychiatrischen Praxis sehe ich, dass vor allem die vegetativen Begleiterscheinungen von Angststörungen, Depressionen und anderen somatischen Beschwerden durch die PSE positiv beeinflusst werden können. Dazu gehören Schlafstörungen, Schmerzzustände und generelle Dysbalancen des autonomen Nervensystems.

Besonders wichtig finde ich die Regulierung des vegetativen Nervensystems. Viele Patienten haben entweder einen überaktiven Sympathikus, wodurch sie unter Anspannung stehen, oder ihr Körper kann nachts nicht richtig abschalten und regenerieren. Gerade die typische Morgenmüdigkeit bei Depressionen sehe ich als ein Zeichen für eine vegetative Dysregulation. Hier zeigt die PSE eine sehr gute Wirkung, für die es in der Schulmedizin nur wenige vergleichbare Ansätze gibt.

Antidepressiva können ebenfalls das vegetative Nervensystem beeinflussen, da sie in das Stresssystem mit Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenachse eingreifen. Daher kombiniere ich häufig PSE mit Antidepressiva. Das Besondere ist, dass ich mit dem Reba-Testgerät individuell austesten kann, welche Antidepressiva für den jeweiligen Patienten geeignet sind. Nicht alle Antidepressiva wirken bei jedem Patienten gleich gut – etwa zwei Drittel sind wirksam, ein Drittel nicht. Durch die Testung kann ich die Therapie optimieren und gezielt das richtige Medikament wählen.

Bei mittelschweren Depressionen beginne ich oft nur mit PSE und Psychotherapie. Bei schwereren Depressionen halte ich jedoch eine Kombination aus PSE und medikamentöser Therapie für notwendig, um auch auf biochemischer Ebene zu unterstützen. Ein Vorteil der PSE ist, dass sie es oft ermöglicht, die Medikamentendosis zu reduzieren oder die Behandlungsdauer zu verkürzen.

Kombination von PSE mit Psychotherapie

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Verbindung zwischen PSE und Psychotherapie. Viele der Themen, die in der Psychotherapie bearbeitet werden – wie Abgrenzung, Selbstbehauptung oder emotionale Blockaden – spiegeln sich in den Chakren wider, insbesondere im dritten und fünften Chakra. Hier sehe ich eine gute Ergänzungsmöglichkeit zwischen PSE und psychotherapeutischen Ansätzen.

Ich arbeite zusätzlich mit der Logosynthese, einer Methode, die energetische Muster durch spezifische Worte neutralisiert. Sie wirkt ähnlich wie die PSE, nur dass sie statt homöopathischer Komplexmittel auf sprachliche Interventionen setzt. Ein Vorteil der Logosynthese ist, dass sie telemedizinisch einsetzbar ist, während die PSE eine direkte Testung vor Ort erfordert.

Insgesamt sehe ich die Kombination aus PSE, medikamentöser Behandlung und Psychotherapie als eine sehr effektive Möglichkeit, Patienten individuell und nachhaltig zu unterstützen.

Wenn Sie zurückblicken, würden Sie denselben Weg erneut wählen?

Ja, definitiv. Ich habe mich schon immer für die Zusammenhänge interessiert – für das, was in der Welt passiert und wie man es erklären kann. Besonders interessiert haben mich Quantenphysik und Chaostheorie, ebenso wie die Energien im Universum – etwa schwarze Löcher und die Frage, welche Energiemuster dort wirken. Schon im Medizinstudium begann ich, mich mit dem Thema Lebensenergie auseinanderzusetzen, lange bevor ich verstand, was genau mich daran so faszinierte.

Ich beschäftigte mich zudem mit der Balint-Gruppensupervision, einer Methode aus der Psychiatrie zur Arbeit mit dem Unbewussten. Sigmund Freuds Theorien fand ich immer zu sehr auf Sexualität fokussiert, aber die Aktivierung unbewusster Konflikte war für mich ein spannendes Feld. Die Frage, wie Bewusstsein entsteht und welche Rolle Lebensenergie spielt, trieb mich an – und sie war in der Schulmedizin nicht wirklich beantwortet. So war ich auf der Suche nach ergänzenden Ansätzen, die ich schliesslich unter anderem in der Psychosomatischen Energetik fand.

Aber auch Quantenmechanik und Institutionen wie das CERN, wo physikalische Grundlagen des Universums erforscht werden, haben mich immer wieder fasziniert. Die Idee, dass „alles Energie ist“, wie es auch in der Logosynthese als Modell verankert ist, begleitet mich seit meiner Jugend. Mich interessiert, wie man mit diesem Energiefluss in Einklang kommt – sei es durch Wissenschaft oder durch ganzheitliche Heilmethoden.

Wie finden Sie Ihre persönliche Balance zwischen Arbeit, Familie und Erholung?

Neben meiner wissenschaftlichen Neugierde sind für mich Reisen und Sport sehr wichtig. Meine Eltern reisten viel, und das hat mich stark geprägt. Ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein – ob beim Wandern oder Skifahren, insbesondere hier in den Schweizer Bergen.

Mein Mann hat neben seiner Tätigkeit als Hochbauingenieur eine Landwirtschaft betrieben, mit Kühen, Melken und Heuernte im Sommer. Diese Naturverbundenheit hat mir immer geholfen, Ruhe zu finden und abzuschalten. Während andere vielleicht meditieren, habe ich meine Erholung durch das Sein in der Natur gefunden. Dort konnte ich meinen Geist ordnen, Abstand gewinnen und mich neu ausrichten.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die jeden Tag diszipliniert ihre festen Routinen durchziehen. Ich bin eher spontan – wenn sich die Gelegenheit bietet, nehme ich mir eine Auszeit oder meditiere, aber nicht täglich. Offenbar habe ich ein gewisses Talent dafür, mich zwischendurch einfach auszuklinken. Das kann für andere manchmal irritierend sein, weil sie mich dann nicht erreichen, aber es ist meine Art, aufzutanken. Ich schalte mein Handy aus und bin wirklich weg – das brauche ich.

Naturbild in den Bergen, Adelboden

Familie und Beruf: Eine Frage der Organisation und Präsenz

Meine Familie und mein Beruf waren immer eng miteinander verbunden. Unser Haus steht seit über 300 Jahren im Familienbesitz, und ich habe nie weit wegziehen können oder wollen. Die Nähe zur Arbeit – nur ein Kilometer entfernt – war ein grosser Vorteil. Ich hatte auch Unterstützung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung, denn zu der Zeit gab es noch keine Kitas oder ähnliche Einrichtungen.

Meine Grossmütter waren mir ein Vorbild: Sie arbeiteten beide und hatten Hilfe durch eine Köchin und ein Kindermädchen. Dadurch war es für mich nicht schwierig, Familie und Beruf zu verbinden. Für mich war immer wichtig, dass ich in meinen verschiedenen Rollen voll präsent war – wenn ich arbeitete, dann mit voller Konzentration, und wenn ich zu Hause war, dann ganz für meine Kinder. Es ging mir mehr um die Qualität der Zeit, die ich mit ihnen verbrachte, als um die reine Quantität.

Vielen Dank, Frau von Blumenthal, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.